Vor kurzem habe ich einen sehr interessanten Vortrag zum Thema Taurin gehört. Und was ich dort erfahren habe, möchte in diesem Beitrag weitergeben und vielleicht ein wenig Aufklärung über die „Bullenkraft“, die dieser Stoff verleihen soll, schaffen.

Was ist Taurin?

Taurin gehört nicht zu den Aminosäuren im engeren Sinne, sondern ist nur ein Aminosäureabkommling (=Derivat), welches aus Cystein und weiteren chemischen Schritten entsteht (Oxidation der SH-Gruppe und anschließende Decarboxylierung). Taurin ist auch nicht essenziell (muss nicht über Ernährung zugeführt werden) für den Körper, da der Körper Taurin unter Beteiligung von Vitamin B6 in der Leber und im Gehirn herstellen kann.

Vorkommen und Bioverfügbarkeit von Taurin

Hauptsächlich tierisches Gewebe wie z.B. Fisch (auch Tunfisch in Konserven usw.) und Schweinefleisch weisen mit 50-70mg/100g die höchsten Mengen auf. Pflanzliche Produkte haben kaum Taurin. Die Bioverfügbarkeit von Taurin wird mit ca. 95-99% geschätzt. Somit ist die Absorptionsrate von Taurin sehr hoch.

Nachgewiesene physiologische Funktionen

Taurin wird nicht zur Proteinsynthese im Körper herangezogen, sondern zirkuliert in freier Form im Blut und in den Geweben. Es wird zur Synthese verschiedener Körpersubstanzen verwendet:

  • Gallensäuren werden konjugiert (Form wird verändert), so dass die Nahrungsfette besser verwertet werden können
  • Taurin ist auch ein Bestandteil einiger Hautpigmente (Phäomelanine: gelbe bis rötliche Pigmente auf der Haut)

Es gibt in Vielzahl von Studien Hinweise auf weitere Funktionen von Taurin, die den Zellstoffwechsel betreffen:

  • Veränderung der Signalübertragung (Modulation) über Calciumkanal
  • Antirrhytmische Wirkungen durch Membranbindung von Calcium
  • Stabilisierung der Zellmembranen und des zentralen nerven Systems (ZNS)
  • Stabilisierung von Membrancalcium bei Elektrolytmangel
  • Verminderung von Thrombozytenaggregation (Zusammenlagerung von Blutplättchen und somit Senkung von Thromboserisiko)

Bedarf und Empfehlungen zum Taurin

Ich orientiere mich an der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Versorgung der allgemeinen Bevölkerung gilt aufgrund der (1) hohen Eigensynthese von 50-125mg/d sowie (2) der etwas 200mg/d geschätzten Aufnahme als gesichert. Deswegen sollte man die vielversprechenden Werbeaussagen gründlich überdenken….

Supplementierung mit Taurin

Ich möchte auf einige Studien eingehen, die verschiedene Wirkungen von Taurin untersucht haben und was sie dort herausgefunden haben. Es wurden Untersuchungen bezüglich der Atherosklerose, antioxidativen Wirkungen, Diabetis sowie der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit durchgeführt.

Atherosklerose und Taurin

Die Gabe von 6g/d Taurin verhinderte bei gesunden Männern während einer fett- und cholesterinreichen Diät den Astieg von Gesamt- und LDL („schlechte“)-Cholesterol. Allerdings verstärkte es auch die Erhöhung von Triglyceriden (Fetten) im Blut. [Mitzishima S (1996): Effects of oral taurine supplementation on lipids and sympatethetic nerve tone. Adv Exp Med Biol 403: 615-622]. Bei Ratten konnte der Anstieg des Serumcholesterols bei einer Ähnlichen Diät durch Supplementierung mit Taurin ebenfalls verhindert werden.

Bei übergewichtigen Personen sanken durch die Gabe von 3g/d Taurin über 7 Wochen zusätzlich zu ihrer üblichen Kost die Triglyceride. [Zhang S (1997): Benefical effects of taurine on serum lipids in overweight or obese non-diabetic subjects. Amino Acids 26: 267-271]

Antioxidative Wirkung von Taurin

Über die Antioxidative Wirkung von Taurin mit erhöhter Zufuhr bei den Menschen können noch keine konkreten Aussagen getroffen werden. In Tierversuchen zeigte Taurin antioxidative Wirkung, in dem es Schutz vor NO2- verursachten Wirkungen sowie vor Fettoxidation bewirkte. Auch Schäden an Herzmuskel konnten im Tierversuch durch zusätzliche Gaben von Taurin verhindert werden.

Wirkungen bei Diabetes

Bei insulinabhängigen Diabetikern wurden erniedrigte Taurinkonzentrationen im Blutplasma und den Thrombocyten festgestellt. Somit macht es einen Sinn durch Supplementierung dieses Defizit auszugleichen. Auch die Zusammenlagerung der Blutplättchen errreichte nach einer Supplementierung Werte einer gesunden Vergleichsgruppe.

In einigen Tierversuchen wurden folgende Effekte festgestellt:

  • Insulinresistenz und Hyperglykämie sowie niedrigere Cholesterinwerte waren geringer als bei Kontrollgruppen, die kein Taurin erhielten
  • Bei diabetischen Ratten konnte oxidativer Stress signifikant gesenkt werden

Aber trotz dieser Befunde an Tieren lässt sich über die klinische Bedeutung  des Taurins für den Menschen noch keine genaue Aussage treffen.

Geistige und körperliche Leistungsfähigkeit

Ob die zusätzliche Einnahme von Taurin eine Steigerung der sportlichen Leistung bzw. des Konzentrationsvermögens bewirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Hochdosierte Gabe verbesserte bei trainierte Männern die Ausdauerleistung. [ Geiss W (1994): The effect of taurine-containing on performance in 10 endurance athletes. Aminp Acids 7: 45-56.]

Auch wieder wurde bei Ratten unter Belastung eine Verminderung von Herzfrequenz bei Einsatz von Taurin beobachtet. , so dass von der Einnahme eher ein leistungsmindernder Effekt zu erwarten wäre. Deswegen ist der Nutzen einer zusätzlicher Supplementation mit Taurin in Frage zu stellen. Dazu äußert sich die DGE in einem sehr guten Artikel wie folgt: http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=294

Weitere Effekte von Taurin

Auch hier waren die Tiere die Untersuchungsobjekte. Es konnte festgestellt werden, dass Taurin auch an Entgiftung von Xenobiotika (unnatürliche Stoffe, die evtl. giftig sind). Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass Taurin die Gallensäure konjugiert und somit eine Entgiftungsfunktion im Körper ausüben kann. Ob das bei dem Menschen auch der Fall ist, müsste noch weiter untersucht werden.

Negative Auswirkungen einer zu hohen Zufuhr

Bis her gibt es kaum Hinweise auf Taurinvergiftungen. Bei einigen Untersuchungen, bei denen die Probanden mehr als 1,5g/d erhalten haben, kam es zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit und Gehstörungen. Aber es sind wieder nur Hinweise, die noch nicht die wissenschaftliche Evidenz aufweisen. Deswegen ist erstmal davon auszugehen, dass keine starken Nebenwirkungen zu rechnen ist. Aber diese Aussage ist mit Vorsicht zu genießen, da es noch nicht endgültig erforscht ist.

Wer braucht Taurin?

Neugeborene für die Entwicklung des Nervensystems und des Gehirnes. da ihre eigene Produktion nicht (immer) ausreicht, wird es vorsorglich Säuglingsmilchen zugesetzt. Gestillte Kinder bekommen ihr Taurin dagegen mit Muttermilch. ansonsten gibt es nur eine Gruppe, die wirklich auf Taurin angewiesen ist: Katzen. Ohne den Stoff geht ihnen die Netzhaut vor die Hunde, sie werden blind. Katzenfutter ist aus diesem Grund mit Taurin angereichert. Solltest Du Deinen Stubentiger vegetarisch ernähren (das ist unter ernährungsbewussten Tierfreunden „in“), solltest Du ihm Taurintabletten verabreichen – oder es mal mit einem Schuß Red Bull im Wassernapf versuchen…..

Geschrieben von: Yevgen Popov

Das könnte auch was für Dich sein
Abnehmen mit Personal Training – Trainingspläne und Tipps von Personal Trainer (Teil 1)Ziele Deines Trainings für beste Ergebnisse – SMART

Hinterlasse Dein Feedack

Keine Kommentare bis jetzt