Das bekannteste Mittel, welchem eine Fatburner-Wirkung zugeschrieben wird, ist das L-Carnitin. Dieser vitaminähnliche Wirkstoff wird vom Körper selbst gebildet bzw. mit der Nahrung aufgenommen. Ich möchte in diesem Artikel detailliert auf das L-Carnitin eingehen und einige Mythen und Halbwahrheiten aufgreifen sowie über die Wirkungsweise einige Wörter verlieren.

1. Was ist L-Carnitin

L-Carnitin ist eine natürlich vorkommende, chemische Verbindung, die aus den Aminosäuren Lysin und Methionin hergestellt wird. Es wird in den Fachkreisen auch als Hydroxycarbonsäure Carnitin bezeichnet. Das Carnitin wird auch endogen (im Körper) aus den beiden o.g. in Leber, Niere, Gehirn und den Hoden gebildet. Die Eigensynthese deckt bis zu 25% des täglichen Bedarfes. Voraussetzung ist die ausreichende Versorgung mit den Cofaktoren (weitern wichtigen Nährstoffen) wie Vitamin C, Niacin (auch Vitamin B3 genannt), Vitamin B6, B12, Folsäure (wird auch häufig Vitamin B4 genannt) und Eisen. Carnitin ist in großen Mengen in Lebensmitteln tierischer Herkunft (insbesondere Schaffleisch mit 210mg/100g) und weitgehend in viel geringerem Umfang in Pflanzen enthalten. Somit muss die Versorgung mit Carnitin zu 75% über die Ernährung abgedeckt werden.

2. Wie wurde L-Carnitin entdeckt

Insbesondere der Fettstoffwechsel ist von Carnitin beeinflusst. Metabolisch aktiv (also abbauend) ist ausschließlich die L-Stellung des Carnitins. Damit kommt auch der Vorsatz L vor das Carnitin.

Der Name der Substanz L-Carnitin stammt aus dem Lateinischen und wird von dem Wort carnis (= lat. Fleisch) abgeleitet. Erstmals entdeckten russische Forscher zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Muskelfleisch von Säugetieren eine Substanz, die für die Muskelfunktionen notwendig ist und man somit diese Substanz als CARNITIN taufte. Etwa 50 Jahre später fand der Forscher Fraenkel bei der Untersuchung von Mehlwürmern heraus, dass L–Carnitin lebensnotwendige Funktionen haben kann. Sie konnten nachweisen, dass L-Carnitin notwendig für das Wachstum der Mehlwürmer war. Aus diesem Grund war er der Auffassung, dass es sich bei dieser Substanz um ein Vitamin handeln musste. Allerdings ist heute biochemisch geklärt, dass es sich um ein vitaminähnliches Aminosäurederivat handelt.

3. Funktionen im Körper

Im Körper ist nur die L-Stellung des Carnitins aktiv. Es gibt noch weitere Stellungen (D-Stellung usw.), die aber für den Körper nicht brauchbar sind und bei Einnahnme dieser mit Nebenwirkung wie Kopfschmerzen, Muskelschwäche und Übelkeit bzw. Durchfall gerechnet werden muss. Die eigentlichen etablierten physiologischen Funktionen dieser Aminosäure beschränken sich hauptsächlich auf den Fettstoffwechsel:

  • Sie sind ein Biotransporter (Biocarrier) für die langkettigen Fettsäuren in die Mitochondrien („Kraftwerke der Zellen“). Sie erleichtern den Übergang der Fette in die Zelle, und dann die anschließende „Verbrennung“ (Beta-Oxidation in den Mitochondrien) zu Energie (ATP).
  • Sie sind Bestandteil einiger in den „Kraftwerken der Zellen“ (Mitochondrien) sitzenden Enzymen (auch „Spalter“ der Fette).

Somit hat L-Carnitin schon eine sehr wichtige Schlüßelfunktion im Fettstoffwechel. Aus diesem biochemischen Fakt zogen dann die Frauen-und-Diät-Presse den messerscharfen Schluss: Wenn Carnitin zum Fettverbrennen nötig ist, dann muss Frau mit mehr Carnitin mehr Fett verbrennen können – der Wunschtraum jeder Kalorienzählerin! Schön wäre`s und so schön klingen auch die Werbeversprechen. Aber gehen wir ein wenig weiter ins Detail…

3. Wie sieht der Bedarf, Versorgungssituation und Empfehlung aus

Der Carnitinbedarf eines 70kg schweren Erwachsenen liegt bei ca. 16 mg/d. Er wird, wie schon erwähnt, durch die Nahrung als auch über die Eigensynthese in den Nieren, Leber und Gehirn gedeckt. Somit ist der Carnitinstoffwechsel im Körper gut geregelt.

Eine ausreichende Carnitin-Versorgung der Bevölkerung gilt als unbestritten, da die Zufuhr bei normaler Misch-Kost etwa 32mg/d zum heutigen Zeitpunkt darstellt. Vegetarier und Veganer nehmen ca. 2mg/d auf, weil sie die Hauptquellen Fleisch usw. nicht mit der Nahrung aufnehmen. Auch kommt es zu einem Mangel, wenn nicht genügend Cofaktoren (siehe Einleitung) und der notwendigen Aminosäuren Lysin und Methionin zur Verfügung stehen. Dies kann z.B. durch eine extrem einseitige Ernährungsweise passieren.

4. Muss ich mit L-Carnitin supplementieren

Carnitin wird wie kein anderes Supplement mit einer Vielzahl von oft irreführenden und weit überzogenen Aussagen angepriesen. Nur wenige dieser „Studien“ sind wissenschaftlich und seriös durchgeführt worden. Die meisten „Studien“ sind nicht sauber durchgeführt worden und die Ergebnisse wurden dann statistisch „aufgebessert“, damit die Hersteller ihre Produkte besser als „wissenschaftlich bewiesen und getestet“  ausgeben können. Das hier insbesondere der wirtschaftliche Aspekt eine wichtige Rolle spielt, wird durch solche „Studien“ dem Verbraucher nicht klar. Die Vorstellung zum Nutzen von Carnitin beruht vor allem darauf, dass der Fettsäuretransport in die Mitochondrien und damit die Fettsäureoxidation (Fettverbrennung) durch zusätzliche Gaben von Carnitin gesteigert werden könnte. Dieser Effekt konnte zwar in Laborversuchen an !!!Mehlwürmern!!! gezeigt werden, Untersuchungen am Menschen unterstützen diesen Effekt jedoch nicht. Verschiedene gut kontrollierte Studien konnten belegen, dass L-Carnitin den Fettstoffwechsel – wenn überhaupt-  nur mit aktiver sportlicher Betätigung ganz minimal antreibt. Bei einer ausreichenden Versorgung mit L-Carnitin durch die Nahrung führt eine weitere Einnahme in Form von Pillchen, Pulverchen und Energydrinks nicht dazu, dass zusätzlich mehr Fett verbrannt wird. Stattdessen wird das überschüssige Carnitin mit dem Urin ausgeschieden. Es schrumpft also nicht Dein Fettpolsterchen, sondern höchstens Deine Geldbörse.

5. L-Carnitin als „Fatburner“ oder Schlankheitsmittel

Carnitinhaltige Schlankheitsmacher sollen laut Werbung die Fettverbrennung ankurbeln („Fatburner“) und den Aufbau von Fettdepos verhindern. Aber biochemisch macht es keinen Sinn. Der Abbau der Fettsäuren erfolgt an den Fettspeichern der Muskeln, des Herzens und der Leber und greift überhaupt nicht die Depotspeicher („Fettpolster“ an Bauch, Beine oder Po) an. Somit widersprechen sich die Werbemacher an dieser Stelle gewaltig – wenn man darüber genau nachdenkt und diesen physiologischen Hintergrund in die Überlegungen miteinbezieht.

Kontrollierte Interventionsstudien zur längerfristigen Wirkung einer L-Carnitin Supplementierung konnten alle übereinstimmend keine Effekte zeigen. Selbst Dosierungen von bis zu 4-8g (was wirklich sehr hoch ist) L-Carnitin am Tag bewirkten weder bei normal- noch bei übergewichtigen Personen mit oder ohne regelmäßigem Sport eine erhöhte Gewichtsabnahme, Fettabnahme oder Fettverwertungsrate gegenüber einer Kontrollgruppe.

6. L-Carnitin und die Bedeutung im Sport

Es existieren Werbeaussagen zur Leistungssteigerung, durch die Carnitin in Sportlerkreisen als „legales Leistungssteigerndes Mittel“ bekannt wurde. Dabei beziehen sich meistens die Aussagen auf die Ankurbelung der Energiebereitstellung aus Fettsäuren, die durch eine Glykogeneinsparung erzielt werden. Somit würde mehr der Fettstoffwechsel greifen und die Glykogenspeicher besser geschont werden. Damit könne das Auftreten von Müdigkeitserscheinungen verzögert werden. Allerdings konnten fast alle gut kontrollierten und unabhängig durchgeführten Studien keine signifikante (deutliche erkennbare) Leistungssteigerungen verzeichnen. Dabei wurden schon sehr hohe Dosierungen von bis zu 12g/d verabreicht. Zudem kommt es beim Sport nicht zu großen Verlusten an Carnitin, deren Ausgleich ein positiver Effekt sein könnte. Der Gehalt sinkt selbst bei extremen Langzeitbelastungen nicht ab.

7. Wann sollte ich L-Carnitin supplementiern

Bei gesunden Menschen, die nicht im sehr hohem Alter sind, ist eine Supplementierung mit L-Carnitin nicht notwendig. Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat L-Carnitin einen therapeutischen Nutzen: Bei Gaben von 1g/d werden bei bestehender Myocard-Ischämie eine Absenkungen der Folgeschäden des Sauerstoffmangels verzeichnet. Außerdem wird bei Patienten nach einem Herzinfarkt L-Carnitin verabreicht. Dadurch ist die Zahl der Todesfälle und Folgeinfarkte deutlich zurückgegangen.

Weitere Gebiete für den Einsatz von L-Carnitin sind klinischer Natur:

  • angeborene Synthesedefekte
  • Hämodialyse
  • Chemotherapie
  • parentale Ernährung

8. Welche Nebenwirkungen hat L-Carnitin

Generell ist zu sagen, dass L-Carnitin eine körpereigene Substanz ist, die relativ „harmlos“ ist. Überschüssiges L-Carnitin wird schnell und vollständig über die Niere ausgeschieden. Es kann natürlich auch passieren, dass nach einer Einnahme Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten können. Einige Studien geben Hinweise darauf, dass der Körper nach einer dauerhaft hohen Zufuhr die Eigensynthese einschränkt oder einstellt. Daher sollte die Zufuhr von über 5g/d einen Zeitraum von 4 Wochen nicht überschreiten. Außerdem kann man sich bei einem Kauf in der Drogerie oder Kaufhalle nie sicher sein, ob das Carnitin auch wirklich „sauber“ (also kein D-Carnitin und andere Stoffe) ist. Denn L-Carnitin fällt unter das Nahrungsmittelgesetz und hat auch keine eindeutige Rechtsgrundlage. Somit kann jeder Hersteller alles beimischen, was er will. Deswegen würde ich persönlich beim Konsum von L-Carnitin sehr aufpassen bzw. darauf völlig verzichten. Auch wenn die Versprechungen alle so schön klingen.

Geschrieben von: Yevgen Popov

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