Als meinem Kollegen auf der Arbeit eine Praline angeboten wurde, lehnte er höflich ab und begründete es mit dem Satz: „Heilfasten – ich tue meinem Körper und meiner Seele was gutes!“. Das hat mich sehr interessiert und ich kam mit ihm ins Gespräch über Heilfasten. Er tut das schon seit 20 Jahren und berichtete mir ein wenig darüber. Allerdings nahm ich mir vor, ein wenig mehr Wissen über dieses „Heilfasten“ auszugraben und zu klären, was es ist und und welche Hintergründe es hat…

1. Was ist Heilfasten und was ist das Besondere daran?

Fasten war zunächst ein religiös begründeter Brauch der Buße, Opferbereitschaft und um Nähe zum Gott zu symbolisieren. Heilfasten hingegen ist ein nicht religiös motiviertes Fasten. Der Sinn ist begründet in der „seelischen Reinigung“. Damit soll der Körper entschlackt, Gifte und Schadstoffe abtransportiert werden und die Körper-Seele-Balance wieder hergestellt werden. Das Erlebnis des Fastens soll tiefere Schichten des menschlichen Seins berühren und auf das Wesentliche besinnen. Nach dem Fasten – so mein Kollege – wird die eigene Leistungsfähigkeit höher eingeschätzt.
Das Besondere am Heilfasten ist, dass neben ausreichender Flüssigkeitsaufnahme auch eine regelmäßige und leichte körperliche Aktivität empfohlen wird.

2. Formen von Heilfasten

Es gibt sehr viele Formen des Fastens. Die klassische und religiös motivierte Form ist der Verzicht auf jegliche Zufuhr von fester Nahrung. Nur reines Wasser wird getrunken. Weitere Formen führe ich hier kurz auf, aber gehe nicht sehr ins Detail:

  • Modifiziertes Fasten: Die Flüssigkeitszufuhr wird durch Präparate mit 30g hochwertigem Eiweiß, 50g Kohlenhydraten sowie Vitaminen und Mineralstoffen ergänzt. Dadurch soll der Abbau von Körpereiweiß reduziert werden. Außerdem wird dem Nährstoffmangel entgegengesetzt.
  • Saftfasten: Dabei werden außer Mineralwasser und Tee etwa 0.5 Liter Obst- und Gemüsesaft getrunken, hierdurch sollen dem Körper Vitamine und Mineralstoffe geliefert werden. Das Saftfasten wird als Naturheilverfahren, z.B. bei akuten Gichtanfällen angewandt.
  • Molkefasten: Hierbei wird 1 Liter Molke verteilt über den Tag getrunken. Neben Tee, Mineralwasser und Gemüsesäften wird nichts weiter konsumiert. Das Ziel ist es, den Körper zu entschlacken und zu entgiften. Zu den Begriffen „Entschlaken“ und „Entgiften“ werde ich noch kommen.
  • Nulldiät: Es werden täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit in Form von Mineralwasser, Kaffee oder Tee aufgenommen. Bei längerer Dauer werden außerdem Mineralstoffe und Vitamine gegeben.

3. Was passiert im Körper beim Fasten – physiologische Hintergründe

Vom 1. Tag bis zum 8. Tag erfolgt eine Gewichtsabnahme bis zu 800g/Tag. Es wird abgebaut: 160g Fett (sind ca. 200g Körpergewebe) und 75g Eiweiß (ca. 600g Gewebe). Dies ist zu begründen mit dem hohen Eiweiß -und Wasserverlust (1g Eiweiß bindet im Körper ca. 8g Wasser).

Ein Hungerstoffwechsel stellt sich nach ca. acht bis zehn Tagen ein und der Stoffwechselumsatz wird gesenkt.

Triglyceridspeicher – die Fettsäuren:

Täglich werden ca. 150g Triglyceride aus dem Fettgewebe zu Fettsäuren und Glycerin abgebaut. Der größte Teil von Fettsäuren, etwa 120g, wird zur Energieversorgung von Muskeln, Herz und Niere benötigt. Die restlichen Fettsäuren werden in der Leber zu Ketonkörper umgebaut. Darauf werde ich weiter unten eingehen.

Glukose – Glukoneogenese: 

Das Leberglykogen ist verbraucht, der Organismus benötigt jedoch für die Versorgung des Erythrozyten und des Zentralnervensystems Glukose. Sie muss also aus den körpereigenen Stoffen aufgebaut werden. Glukoneogenese wird dieser Vorgang genannt. Täglich werden ca. 25g Aminosäuren, 50g Laktat und 15g Glycerin zu Glucose umgebaut. Während der Stoffwechsel des Zentralnervensystems erheblich eingeschränkt wird, bleibt der Stoffwechsel der Erythozyten unverändert. Täglich werden etwa 45g Glukose zur Versorgung des Zentralnervensystems benötigt. Diese Glukose wird allerdings zur Energieeinsparung z.T. nur noch zu Laktat abgebaut. Deweiteren wird die Energieversorgung des Zentralnervensystems und des Gehirns durch den Abbau von Ketonkörper ergänzt.

Negative Veränderungen im Stoffwechsel:

Herz- und Kreislauf können überbeansprucht werden. Aufgrund der verstärkten Ketonkörperbildung kann es es zu Acidose, d.h. zur Übersäuerung des Körpers kommen. Es gibt auch Auffassungen, dass der Kreislauf entlastet wird, da weniger Wasser und Nahrung zugeführt wird und somit eine „Erleichterung“ ist.

Es werden verstärkt Zellkerne und Nukleinsäuren abgebaut, die dann zur verstärkten Bildung von Harnsäure führen kann. Bei verminderter Harnsäureausscheidung kann es zu Hyperurikämie kommen, d.h. einem Gichtanfall.

 Ketonkörperbildung:

Die Leber hat als einziges Organ die Fähigkeit, Ketonkörper – Aceton und Acetacatat zu synthetisieren. Die Leber selber kann aber keine Ketonkörper verwerten. Sinn der Ketonkörperbildung ist es, einen Teil des aus Fettsäuren gebildeten Acetyl-CoA vor der weitern Oxidation in der Leber zu bewahren und den übrigen Körper, das Zentralnervensystem, aber auch die Muskeln, Herz und Nierenrinde – mit Energie zu versorgen. Aceton wird mit Atemluft und Harn ausgeschieden. Menschen, die Fasten oder Low-Carb Diät machen, erkennt man daran, dass sie einen starken Aceton-Mundgeruch haben. Außerdem merken sie selber, dass der Urin sehr nach Aceton riecht.

Unter normalen Stoffwechelbedingungen entstehen täglich ca. 10-30g Ketonkörper. Die Oxalacetatkonzentration steigt beim Fasten, einer kohlenhydratarmen Diät oder einer sehr lang andauernden Belastung ohne Energiezufuhr. So können im Körper über 100g Ketonkörper entstehen.

Ketonkörper sind leicht wasserlöslich und somit fast uneinschränkbar im Körper transportierbar. Im Zentralnervensystem können die Ketonkörper Glukose ersetzen, sie werden hier über den Citratcyclus und die Atmungskette zu Kohlenstoffdioxid und Wasser abgebaut. Beim Abbau liefern sie Energie, die im fastendem Organismus zum Überleben notwendig ist. Aber eine solch erhöhte Ketonkörperbildung kann zur Störung des Säuren-Basen-Gleichgewichtes im Organismus führen. Als Folgeerscheinung kann eine Acidose – ein diabetisches Koma- entstehen.

4. Für wen ist Fasten ungeeignet?

Ich empfehle allen zu fasten, die absolut gesund sind. Vorherige Absprache mit dem Arzt schadet nicht. Besteht nur eine Kontraindikation, sollte vom Fasten abgesehen werden. Fasten bedeutet für einen schon geschwächten Körper immer eine Stresssitution, mit der er umgehen muss.

Insbesondere folgende Gruppen sollten vor dem Fasten einen Arzt konsultieren:

  • Diabetiker (insb. Typ-1) wegen der Gefahr von Unterzuckerung
  • Werdende Mütter und Stillende Mütter (Nährstoffmangel)
  • Kinder unter 10 Jahren generell (Wachstumsphase)
  • stark untergewichtige und Personen mit einer Essstörung (Anorexia nervosa usw.)
  • Menschen, die einen geringen Blutgerinnungsfaktor haben (Eisen- und Vitmain K – Mangel)

5. Kritik und Empfehlungen am Fasten

Generell ist zu sagen, dass Fasten eine gute Möglichkeit ist, das bisherige Essverhalten zu durchbrechen und sich des Essens und des eigenen Körpers bewusst zu werden.

Desweiteren kursieren die Begriffe wie „Entschlacken“ und „Entgiften“ in der Welt. Es sind Begriffe, die aus der Alternativmedizin stammen und in der klassischen Medizin keine Zustimmung haben. Es konnte nicht bewiesen werden, dass es „Schalackenstoffe“ gibt, die unbedingt entschlackt werden müssten; aber auch das es sie nicht gibt wurde nicht bewiesen. Deswegen benutze ich diese Wörter ungern, weil es für deren Existenz keine Evidenz gibt.

Fasten ist keine langfristige Möglichkeit zum Abnehmen. Es hat höchstens eine Eisbrecherfunktion für die Ernährungsumstellung und Änderung des Lebensstils. Die DGE äußert sich wie folgt zu Fasten:

„Als Maßnahme für die Gewichtsreduktion wird das Heilfasten nicht eingeordnet. Heilfasten kann aber ein Impuls für eine Änderung des Lebensstils sein. Die positiven Erfahrungen einer Heilfastenkur können zu einer gesundheitsbewussteren Lebensführung und einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten führen. Eine Heilfastenkur kann jedoch eine medizinisch notwendige Therapie nicht ersetzen. Viele positive Wirkungen des Heilfastens sind wissenschaftlich kaum oder nur ungenügend belegt. Der in Zusammehang zum Heilfasten immer wieder genannte Begriff „Entschlacken“ ist wissenschaftlich nicht begründbar. In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Nieren ausgeschieden. Grundsätzlich sollten Heilfastenkuren nur nach vorheriger Gesundheitsuntersuchung möglichst stationär oder unter ärztlicher Begleitung durchgeführt werden. Zu beachten ist, dass durch das Fasten die Wirkung von Medikamenten beeinflusst wird und evtl. eine Anpassung/Reduzierung der Dosierung erfolgen sollte. Kontraindiziert ist das Fasten z. B. bei Kachexie, Anorexia nervosa, in Schwangerschaft und Stillzeit. Menschen mit erhöhtem Purinspiegel ist wegen des Risikos eines akuten Gichtanfalls das Fasten nicht anzuraten. In jedem Fall ist eine Absprache mit dem Arzt notwendig.“  (Quelle: http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=468

Geschrieben von: Yevgen Popov

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